Aus der Rolle fallen –
aus der Falle rollen
Antwort auf den offenen Brief des Frauencafé-Teams
(erschienen in: an.schläge - das feministische Magazin, 2006)
Seit 1980 ist das FLMZ ein besetzter feministischer, lesbischer, öffentlicher,
politischer Frauenort in Selbstverwaltung und Teil der autonomen feministischen
FrauenLesbenBewegung. Die Gruppen, Vereine und einzelnen Frauen arbeiten
eigenständig in ihren Bereichen. Am FZ-Plenum wird von allen neben
Entscheidungen betreffend die selbstverwaltete Struktur auch über
die Inhalte und Ziele des FZ diskutiert und basisdemokratisch entschieden.
Wir verstehen Frau-Sein nicht als ein von biologischen Gegebenheiten losgelöstes soziales Konstrukt, in das gewechselt werden kann. In unserem Verständnis steht Feminismus unter anderem dafür, anzuerkennen, dass es biologische Unterschiede gibt, aber sich dagegen zu wehren, dass von diesen soziale Konsequenzen abgeleitet werden. Tatsache ist, dass noch immer jede und jeder nach ihrer/seiner Geburt abhängig vom biologischen Geschlecht in eine von der Gesellschaft vorgegebene Rolle gedrängt wird. Aufgrund dieser Zwangssozialisierung erfahren Mädchen und Frauen mehr oder weniger offensichtliche Unterdrückung und Gewalt, und ihr Recht auf Selbstbestimmung wird ihnen vorenthalten. Als Feministinnen sind uns Orte für Frauen, Lesben und Mädchen, die eigenständige Organisierung als Frauen und der Kampf für die Eigenständigkeit, Vielfältigkeit und gesellschaftliche Freiheit für Frauen wichtige Grundlagen und Ziele.
Die eigenständige Frauenorganisierung entspringt der Erfahrung und persönlichen Betroffenheit und Lebensrealität von Frauen im Patriarchat und inkludiert daher in unserem Verständnis transsexuelle Frauen nicht in dieser Organisierung, schließt jedoch politische Bündnisse mit transsexuellen Frauen nicht aus. Wir denken, dass die verschiedenen Zugänge zu diesem Thema und zu Feminismus generell respektvoll nebeneinander stehen können. Dass dies möglich ist, haben jahrelange Zusammenarbeiten mit diversen Projekten gezeigt.
Die FZ-Frauen sind zu einer frauenöffentlichen Diskussion unter
der Bedingung bereit, dass die vertretenen Meinungen sachlich diskutiert
und respektiert werden.
Was derzeit passiert, empfinden wir jedoch als politischen Wahnsinn. Während
Frauenprojekte an Geldmangel sterben, findet eine Spaltung innerhalb der
Frauenbewegung statt, die diese schwächt und die Handlungsspielräume
der Frauen einschränkt.
Wir sind stolz Teil der FrauenLesbenbewegung zu sein und werden weiterhin dafür kämpfen, dass Frauen vereint gegen Sexismus, Rassismus, Kapitalismus und Homophobie auftreten.
Radikalfeministische Grüße,
autonomes FrauenLesbenMädchen Zentrum Wien